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Märchen – was ich meinen Kindern nicht vorlese

In Cs Kita befindet sich eine Bücherei. Jeden Dienstag dürfen sich die Kinder dort zwei Bücher ausleihen und mit nach Hause nehmen. Ich halte das für eine wunderbare Idee und auch unser Kind ist immer mit Feuereifer dabei und freut sich jeden Dienstag schon auf die neuen Bücher.

Leider habe ich bei der Auswahl der Bücher absolut keine Kontrolle und so kam C diese Woche mit einem Kinderbuch zurück welches die Märchen der Gebrüder Grimm enthält. Da die Idee dieser Märchensammlung ursprünglich eine Volksliedsammlung war, sind die Geschichten nicht speziell für Kinder gedacht gewesen. Dieser Umstand ist mir durchaus bewusst und darum wollte ich meiner Tochter auch nicht so gern daraus vorlesen.

Das Problem…

Doch C wünschte sich gestern Abend nur dieses Buch und so fingen wir an mit Rotkäppchen, der ersten Geschichte des Buches. Leider auch eine recht grausame und grausam ist eher keine Beschreibung welche ich einer Geschichte für Kinder zuschreiben möchte. Der Wolf wird als böse und gemein dargestellt, die Oma gefressen und der Wolf später aufgeschlitzt und mit Steinen befüllt. Und das alles vor den Augen eines kleinen Kindes, dem Rotkäppchen! Dieses Kind ist geschätzte 5 Jahre alt! Ich möchte meinem Kind keine Geschichte erzählen in der ein fünfjähriges Mädchen den aufgeschlitzten Bauch eines Wolfes mit Steinen füllt.

Eine Lösung?

Meine Lösung am gestrigen Abend sah dann so aus, dass ich einfach alles was mir für mein Kind zu grausam erschien überblätterte. So ging ein kleines Mädchen, was eine rote Kappe aus Samt trug und von seiner Familie sehr geliebt wurde, mit einem Picknickkorb zu seiner Großmutter, weil diese krank war. Auf dem Weg traf es den Wolf und sagte ihm freundlich Hallo. Dann entdeckte es noch Eichhörnchen und pflückte Blumen. Bei der Großmutter angekommen machten die Beiden ein Picknick im Haus dieser und später kam der Förster noch zu Besuch. So abgekürzt klingt das zuvor grausame Märchen nach einem netten Waldspaziergang mit anschließendem Picknick.

Weitere Probleme

Danach ging es dann weiter mit dem Froschkönig. Ich hatte die Geschichte nur noch wage im Kopf und war wieder einmal sehr erschrocken, was als eine Kindergeschichte bezeichnet wird. Der Frosch wird als ekelig und unwürdig bezeichnet. Er wird misshandelt und sogar gegen eine Wand geworfen. Ich habe die Geschichte ähnlich stark abgekürzt wie schon die über das Rotkäppchen davor. Denn Tierquälerei gehört für mich nicht in eine Geschichte für eine Dreijährige.

Weiter haben wir dann noch nicht gelesen und ich hoffe sehr, dass dieses Buch für den Rest der Woche in Vergessenheit gerät. Denn Märchen sind aus meiner Sicht nicht für Kinder geeignet, wie auch viele andere Bücher welche als Kinderbücher verkauft werden oder worden. Oder manche Bücher passen auch einfach nicht in das Menschenbild, was ich gern meinen Kindern vermitteln möchte. Leitmedium hat dazu einen tollen Artikel geschrieben.

Doch vor allem Märchen sind oft viel zu grausam für Kinder. Ich möchte ungern riskieren, dass meine Kinder Angst haben im Wald zu spielen, weil der Wolf sie eventuell fressen könnte. Oder, dass sie Tiere quälen weil die hübsche Prinzessin im Buch ja auch den Frosch gegen die Wand warf.

Das Märchen Hänsel und Gretel ist auch so ein Beispiel von extremer Grausamkeit. Es werden zwei Kinder von ihren Eltern verstoßen, weil diese nicht mehr genug zum Essen haben. Sollte meine Kinder diese Geschichte kennen lernen und sollte es bei uns einmal vorkommen, dass der Kühlschrank leer ist und noch keiner einkaufen war wäre es möglich, dass unsere Kinder Angst bekommen sie müssten jetzt auch von zu Hause weg. Oder sie begegnen unserer Nachbarin, welche stark gekrümmt läuft, halten sie für eine Hexe und bekommen nachts Alpträume, dass sie von dieser gefangen und gekocht werden.

Familienblog

Märchen sind ein Kulturgut und ab einem gewissen Alter sicherlich auch zu empfehlen. Doch ich wünsche mir, dass diese Geschichten nicht mehr in einer Lesealterkategorie von 4 bis 6 Jahren zu finden sind. Denn für Kinder waren sie auch bei der Entstehung einfach nicht vorgesehen.

Eure Sarah

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2 Comments

  • Reply
    Gertraud
    07/05/2015 at 11:55

    Hey!
    Du kennst dein Kind bestimmt am besten und weißt, was du ihm “zumuten” kannst.
    Ich finde, die Märchen der Gebrüder Grimm sind ein wertvolles Kulturgut, die man Kindern sehr wohl erzählen kann. Wenn man bemerkt, dass sie es verstört, lässt man es eben. Meine Geschwister und ich, wir haben es geliebt, wenn unser Papa uns die Märchen erzählt hat. Er musste sie immer wieder erzählen und durfte sie nicht abwandeln oder abkürzen. Das Leben ist auch nicht immer nur Sonnenschein. Kinder verstehen sehr gut zwischen Märchen und Realität zu unterscheiden. Ich finde oft eher diverse “Kindersendungen” im Fernsehen furchtbar und DIE wurden speziell für Kinder gemacht.
    Hoffe meine Meinung ist okay für dich…
    Finde man sollte schauen, wie das Kind aufs Märchen reagiert.
    Lg Gertraud

    • Reply
      schwesternmama
      07/05/2015 at 13:03

      Das Märchen ein kulturelles Gut sind würde ich keinenfalls bestreiten. Bei mir haben die Märchen als Kind aber eher Schrecken und Angst hervorgerufen. Ich wünsche mir einfach, dass Märchen nicht einfach vorgelesen werden nur weil sie als Kindergeschichte deklariert sind, sondern auch bedacht werde das diese Geschichten einen Inhalt haben, der für kleine Kinder doch etwas grausam ist. Kinder können sicherlich zwischen Märchen und Realität trennen, aber sie haben auch oft eine stark ausgeprägte Phantasie, die auch durch Geschichten angeregt wird. Diese Phantasie kann auch im Alltag zum tragen kommen. Natürlich ist das Leben nicht immer nur Sonnenschein und ich finde Geschichten mit heilen Familien und ohne Streit etc auch nicht besser. Ich denke einfach, dass Kindergeschichten ein gutes Mittelmaß enthalten sollten. Grausamkeit und auch eine übertrieben heile Welt sind eher problematisch.
      Liebe Grüße, Sarah

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