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Schlechte Esser oder brauchen wir einfach mehr Geduld?

Wenn ich am Nachmittag meine Töchter abhole, besprechen wir meist auf dem Nachhauseweg unseren Essenplan für den Abend. Ich schlage meist einiges vor und die Beiden dürfen dann bestimmen. Kann ich einen Wunsch nicht erfüllen, weil wir das einfach nicht da haben, suchen wir gemeinsam eine Alternative. Lange Zeit hat sich meine Tochter nur Nudeln mit Ketchup und “Zuckerkäse” (Parmesan) gewünscht. Was anderes hat sie kaum gegessen. Manchmal waren auch Grießbrei oder Milchreis okay. Sonst blieb eigentlich jedes Essen stehen.

Auch zum Frühstück verhielt sich das ähnlich. Da musste es immer Müsli mit Sojajoghurt und Agavensirup sein. Brötchen waren ihr zu hart, das aufgeschnittene Obst blieb in den meisten Fällen stehen. Vielleicht wanderte mal ab und an eine Weintraube in den Mund. Aber meist auch nur, wenn ich die Schale zuvor abgezogen hatte.

 

Ja, meine Tochter stellte tatsächlich das perfekte Beispiel für die Kategorie “schlechte Esserin”. Vielen Eltern geht es immer wieder so. Da wird gekocht und geschnippelt, die verschiedensten Soßen und Kinderteller werden angerichtet. Und dann wandert vielleicht eine Gurkenscheibe in den Mund. Alles was nicht in die Kategorie “schmeckt mir” gehört verschmäht das Kind.

Doch ist das ein Grund sich Sorgen zu machen?

Sollte das Kind tatsächlich wegen seiner Essgewohnheiten abnehmen oder sich auf irgendeine andere Weise fehlentwickeln ist das mit Sicherheit ein Grund zur Sorge. Doch bis dahin ist es meist noch ein langer Weg. Es kommt wirklich selten vor, dass Kinder freiwillig so lange hungern. Auch gibt unser Körper uns durch seinen Appetit Signale, um uns zu zeigen was wir gerade benötigen. Tatsächliche Fehlentwicklungen können natürlich vorkommen und sollte bei Bedenken immer überprüft werden. Doch oft sind diese Sorgen unbegründet.

Pellkartoffeln

Auch ich habe mir immer mal wieder Gedanken gemacht, ob diese etwas einseitige Ernährung meiner Tochter wohl schlecht sein könnte. Doch immer wieder habe ich versucht Geduld zu bewahren. Einfach abzuwarten. Ich habe ihr immer wieder andere Dinge angeboten. Essen was ihr vielleicht schmecken könnte. Immer wieder wurde dies allerdings von ihr abgelehnt, denn alles was neu und unbekannt war wollte sie lieber nicht probieren.

Und irgendwann kam dann Brokkoli

Irgendwann kochte ich dann einmal wieder Nudeln. Oft gab es für uns Eltern noch eine Soßenalternative zu Ketchup und Käse. Diesmal war es eine mit Brokkoli, Creme-Fraîche und Mandeln. Eine wirklich leckere Nudelsoße! Erstaunlicherweise wollte meine Tochter dann doch einmal probieren. Warum auch immer sie ausgerechnet den Brokkoli interessant fand, weiß ich auch nicht. Aber er wurde zum Lieblingsgemüse. Kurz danach wurden auch Gurken wieder interessant. Grün war wohl ansprechend.

So kehrte meine Tochter nach über einem Jahr mit Nudeln und Müsli langsam wieder zurück zu abwechslungsreicheren Mahlzeiten. Sie fing an wieder mehr zu probieren. Noch sehr ausgewählt, aber sie probierte!

Letzte Woche waren wir auf dem Wochenmarkt. Ich ging zum Obst- und Gemüsestand und hielt Ausschau nach Kirschtomaten. Auch meine Tochter schaute sich sehr interessiert alles an. Wir sprachen darüber, was sie denn gern alles kaufen wollte. Brokkoli hatten wir nun schon eine ganze Weile nicht mehr gegessen und so fiel plötzlich der Satz: “Können wir bitte heute Mittag Brokkoli kochen?” Sie sah nicht einmal welchen, denn der war gerade alle geworden. Glücklicherweise hatte die Verkäuferin noch welchen unter der Verkaufstheke. Und so gab es an diesem Tag Brokkoli.

Viele Kinder haben diese eigenartigen Essensphasen. Mal sind sie länger, mal kürzer. Doch gerade beim Essen scheinen wir Eltern schnell dazu zu neigen uns Sorgen zu machen. Oft ist es wahrscheinlich sinnvoller anstatt der Sorgen lieber mehr auf sein Kind zu hören. Was wünscht sich das Kind? Was kann ich ihm vielleicht noch dazu anbieten?

Aufdrängen macht meist wenig Sinn. Denn dieses Essen bleibt dann oft unberührt stehen. Wir brauchen einfach viel Geduld, denn auch mäkelige Esser finden irgendwann auch wieder neue Alternativen. Alternativen die ihnen zeigen, dass es auch noch andere leckere Dinge gibt.

Sollten eure Kinder also auch einmal schlecht essen, wartet vielleicht einfach etwas ab. Denn wenn wir ihnen die Zeit geben, kommen sie oft von ganz allein wieder zu einem ausgewogeneren Essenverhalten zurück.

Eure Sarah

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6 Comments

  • Reply
    Martina von Jolinas Welt
    09/01/2017 at 18:57

    Stimmt genau. Meist wechseln diese Phasen und es wurde über mehrere Jahre mal ein Forschungsprojekt gemacht und aufgezeichnet was Kinder essen, die so einseitig essen wie du beschrieben hast und als Kontrollgruppe welche die eben essen was auf den Tisch kommt. Am Ende das erstaunliche Ergebnis, über Jahre hinweg gesehen haben die Mäkelkinder ausgewogener gegessen als die anderen

    • Reply
      Sarah
      10/01/2017 at 9:28

      Oh, das klingt echt spannend und interessant.

  • Reply
    Carina
    09/01/2017 at 21:39

    Unser großer Sohn ist auch ein sehr schlechter Esser. Wir müssen nahezu um jeden Bissen auf ihn einreden und betteln. Da er als Frühchen zur Welt kam, ist er generell schon schmäler als die anderen Kinder in seinem Alter und wir machen uns immer wieder Sorgen um ihn. An manchen Tagen bin ich daher froh, wenn er wenigstens Kekse oder ein Joghurt isst.
    Jedoch war er nicht immer ein schlechter Esser und ich hoffe einfach, dass sich das im Laufe der Zeit wieder einspielt.

    • Reply
      Sarah
      09/01/2017 at 23:17

      Unsere Tochter hatte das auch erst nach einer Weile entwickelt. Ich wünsche euch, dass es sich bei ihm auch bald wieder bessert.

  • Reply
    Kate
    01/02/2020 at 13:07

    Hallo liebe Sarah!
    Das Rezept mit der Brokkoli/ Mandel-Sauce hört sich super an. Dürfte ich es haben? 😍
    LG Kate

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