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Wenn Kinder groß werden – Loslassen ist so schwer!

Fast jeden Nachmittag unter der Woche hole ich unsere Töchter von der Kita ab. An den meisten Tagen fahren wir dann mit dem Bus, an wenigen mit dem Auto. Unsere Töchter kennen den Weg sehr gut. Sie wissen ganz genau, dass wir immer noch einmal in eine weitere Buslinie umsteigen müssen. Auch kennen sie viele markante Punkte auf unserem Weg. Wie, dass wir immer erst über die Mosel fahren müssen bevor wir Zuhause sein können.

Unsere Wohnung liegt zwischen zwei Bushaltestellen, deswegen lasse ich den Beiden dann immer die Wahl wo wir aussteigen. Meist wählen sie dann gemeinsam aus. Von da aus laufen wir dann immer noch einen Weg von ca. 350 m nach Hause. Und da es da auch zwei möglich Wege gibt, steht da wieder eine Entscheidung an. Allerdings haben da beide Kinder einen klar favorisierten Weg. Deswegen haben wir vor einiger Zeit abgemacht, dass wir die Wege abwechselnd gehen.

Doch vor zwei Tagen änderte sich das. Unsere große Tochter beschloss, dass sie ab jetzt ihren Lieblingsweg gern allein gehen möchte. Sie meinte dann zu mir, sie müsse das jetzt für ihren baldigen Schulweg üben. Ich war etwas überrumpelt. Bislang haben wir unsere Kinder immer und überall hin begleitet. Oder es war eben jemand anderes dabei, der auf sie acht gibt. Gut, 350 m Weg sind wirklich nicht viel. Aber immerhin muss auf diesem auch eine Straße überquert werden.

Auf der anderen Seite war mir durchaus bewusst, dass sie ein wirklich vorsichtiges Kind ist. Sie geht Neues nur an, wenn sie es sich auch wirklich zutraut. Also schenkte ich ihr mein Vertrauen. Wir besprachen noch einmal kurz, was sie beim Überqueren der Straße beachten soll und dann war sie auch schon weg.

Und ich. Ich wurde ganz schön nervös, als ich sie da so schnell um die Ecke verschwinden sah. Kann es wirklich sein, dass mein Kind schon so weit ist? Schafft sie das? Was ist, wenn irgendetwas passiert? Wer hilft ihr dann?

In den fünf Minuten die sie nicht in meiner Nähe war schossen mit tausende Szenarien durch den Kopf! Und unsere kleine Tochter musste an diesem Tag ziemlich zügig laufen. Glücklicherweise war es für sie ein großer Spaß den ganzen Weg eher zu rennen als zu laufen.

Meine Tochter hat diesen Weg sehr gut gemeistert! Und auch am nächsten Tag wollte sie unbedingt wieder den Weg allein laufen. Meine Adrenalinspiegel stieg auch während dieser fünf Minuten wieder auf das Maximum.

Ja, es ist verdammt schwer sein Kind loszulassen. Nicht meine Tochter musste in diesem Moment dazulernen. Vor allem ich musste lernen.

Schon so oft musste ich lernen loszulassen. Es fängt an, wenn unsere Kinder noch ganz klein sind. Wir müssen sie loslassen, wenn wir sie jemand anderem auf dem Arm geben. Schon dieser kleine Schritt ist schwer. Es kommt die Zeit wo unsere Kinder anfangen die Welt zu erkunden, draußen den Sand probieren und den Staub unter dem Schrank untersuchen. Es fällt schwer nicht immer sofort einzugreifen. Dem Impuls sie zu retten und zu behüten auch einmal zu widerstehen. Es kommt die erste Zeit der Fremdbetreuung. Mehrere Stunden ohne das eigene Kind. Zeit die wunderschön und wichtig ist, aber in der es schwer fällt loszulassen und nicht nur permanent an das Kind zu denken. Irgendwann übernachten Kinder auswärts und bewegen sich eben auch selbstständig im Straßenverkehr.

Immer mehr müssen wir Eltern loslassen und jedes Mal, wenn unsere Kinder einen neuen Schritt gehen ist das schwer. Denn auch wenn wir wissen, dass unsere Kinder das schaffen können so bleibt da doch immer diese Sorge. Dieses Bedürfnis des Umsorgens unserer Kinder, dass wir Eltern mit dem Zeitpunkt der Geburt mitbekommen und wohl nie ablegen können werden.

Eure Sarah

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1 Comment

  • Reply
    Martina von Jolinas Welt
    17/02/2017 at 14:50

    Oh ja, das kenne ich, dieses loslassen, den richtigen Punkt finden, die Angst, dass vielleicht was passiert. Dieser eine Fall von 1000 eintritt…..
    Manche Dinge sind oft am einfachsten wenn sie einfach sein müssen und es keine Wahl gibt, das Bauchweh bleibt, doch man hat ja keine Wahl. So musste meine Große plötzlich mit dem Bus ins Ballett fahren, in eine „seltsame“ Gegend, doch da ich mit der kleinen zu der zeit immer bei einer therapiestunde sitze die man nicht verschieben kann musste es sein und sie hat das toll gemacht, naja bis auch die 2 mal wo sie den Bus verpasst hat.
    Sie werden sooo schnell groß……

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