Schwesternliebe&Wir
Leben mit Kindern

Bedürfnisorientiert leben // mit Kindern sprechen

So oft lese ich, dass es nicht wichtig ist was wir sagen, sondern wie wir es sagen. Wahrscheinlich kennt ihr diese einfache Regel  der Kommunikation mit anderen auch. Im Alltag funktioniert das mal besser und mal schlechter. Und immer wieder merke ich, dass das „Wie“ gerade in der Kommunikation mit meinen Kindern einen deutlichen Unterschied macht.

Klar wurde mir das mal wieder an einem Beispiel vor einiger Zeit: E hatte Geburtstag und wir wollten an diesem Nachmittag gemeinsam mit meiner Schwester ein Eis essen gehen. Draußen regnete es stark und so wollten wir natürlich schnell hineingehen. Meine Schwester hatte ihr Fahrrad dabei und während Christian und C noch bei ihr blieben, bis dieses angeschlossen war, gingen E und ich schon in das Café. Zuerst standen wir etwas am Rand und warteten auf die Anderen, kurze Zeit später lief E zurück zur Tür um nachzusehen, wo diese den bleiben. Ich schaute in der Zwischenzeit in die Karte. Plötzlich drängelte sich eine Frau an mir vorbei, die es scheinbar sehr eilig hatte. E schaute an der Tür nach draußen und konnte die von hinten heraneilende Frau nicht sehen. Einige Millisekunden später beschwerte sich diese lautstark: „Könnte mal jemand das Kind hier wegnehmen!“.  Ich wusste gleich gar nicht was ich sagen sollte und E schaute mich verwundert an: „War sie gemeint? Normalerweise wird sie doch direkt angesprochen, wenn jemand etwas von ihr möchte.“ In dem Moment kam Christian von draußen herein und E ging zurück um ihn hereinzulassen. Die Frau konnte endlich nach draußen. Sie warf uns noch einen bösen Blick zu, weil wir ihr jetzt einige Sekunden ihrer Zeit gestohlen hatten und verschwand.

Eine sehr komische Szene für mich. Aber keine seltene. Schon oft hat sich ähnliches abgespielt. Meine Kinder standen irgendwo im Weg, sie konnten aber aufgrund ihrer Blickrichtung oder ihrer Größe dies nicht bemerken. Meist werden meine Kinder dann nicht gefragt, ob sie kurz beiseite gehen könnten, sondern zur Seite gedrängt oder es werden eben böse Wort an mich gerichtet.

Dabei wäre es so einfach. Meine Töchter gehen gern beiseite, aber sie müssen doch erst einmal darüber informiert sein, dass sie im Weg stehen. Die Dame hätte sich auch einfach kurz zu E herunterbeugen können und sie bitten können ihr aus dem Weg zu gehen. E hätte gewusst, dass sie gemeint ist und schon hätte sich keiner von uns über die Situation ärgern müssen.

Wenn Kindern auf Augenhöhe begegnet wird, ist meist alles viel einfacher. Für uns als Erwachsene können Probleme, wie Kinder die im Weg stehen, schneller gelöst werden. Und auch für die Kinder ist es besser, denn sie merken dann das sie dazu gehören. Sie gehören in diese Gesellschaft und wenn sich dieses Gefühl bei Kindern entwickeln kann, ist es für sie eben dann auch leichter sich dieser Gesellschaft anzupassen. Das ist es doch, was sich die meisten von Kindern wünschen, oder? Anpassung (zu einem gewissen Grad) ist in einer Gesellschaft wichtig. Aber dafür ist es eben auch nötig Kindern zu zeigen, dass sie dazu gehören. Ihnen zu zeigen, dass sie ein Teil der Gesellschaft sind und nicht ein Gegenstand der im Weg ist und doch bitte einmal beiseite genommen werden sollte.

Eure Sarah

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2 Comments

  • Reply
    Yvonne vB
    03/03/2016 at 13:56

    Das stimmt! Zum Glück sind mir mehr verständnisvolle Menschen begegnet, die meine Kinder direkt angesprochen haben oder einfach nur Verständnis gezeigt haben durch Kopfnicken oder einem kleinen Lächeln…
    Meine Große mag nicht gerne angefasst werden. Als sie mit 1 1/2 Jahren gut laufen konnte, sind wir viel in der nahegelegenen Fußgängerzone umhergezogen 🙂 Einmal fiel sie hin und ich beobachtete erst einmal aus der Nähe, was ihr evtl. wehtat und habe sie nicht angefasst, aber sprach beruhigend mit ihr. (Ich wollte nicht, dass sie die ganze Stadt zusammenschrie…) Da musste ich mir auch von „Wollen Sie ihr Kind denn nicht trösten?“ – „Rabenmutter“- „Das ist ja wohl die Höhe!“ alles mögliche anhören.
    Aber ist es nicht eher so, dass wir Eltern wissen, was unser Kind gerade braucht? Wir sind doch immer für sie da. Vor Stürzen kann man sie nicht immer bewahren, soll man ja auch nicht…

    Ich glaube, manche Menschen sind verbittert oder einsam und mischen sich überall ein oder eben auch nicht. Geben ihren Senf an uns ab, ohne auf die Kinder zu achten, denn „die verstehen ja nicht was ich will“… (hat mal jemand zu mir gesagt…) Das ist schon traurig.

    Mir ist es wichtig, meine Kinder auf die große Welt vorzubereiten, also beziehe ich sie ein. Manchmal ergreife ich auch einfach Partei für sie.

    • Reply
      Sarah
      03/03/2016 at 14:18

      Sowas ähnliches habe ich auch einmal erlebt: meine Tochter schrie im Bus ganz furchtbar. Sie war müde und ich konnte in dem Moment nicht viel machen, außer sie auf dem Arm zu halten. Kommentar: „geben sie dem Kind doch mal was zu Essen oder wenigstens einen Schnuller!“. Ich bin von solchen Momenten immer so überrascht, das ich gar nicht weiß was ich sagen soll. Minuten später, fällt mir dann meist die richtige Antwort ein, leider oft zu spät.
      Jetzt nach einigen Jahren mit Kindern, kann ich glücklicherweise solche Kommentare ganz gut an mir abprallen lassen. Aber eine Zeit lang hat eben genau solches Verhalten mich dazu bewegt mit meinen Kindern keine Cafés mehr zu besuchen oder überhaupt mit den Beiden zusammen in die Stadt zu gehen. Solche negativen Reaktionen auf meine Kinder sind immer ein Stich in mein Mamaherz.

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