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Kinder Vergleichen // Na, kann dein Baby schon…?

„Schläft sie denn schon durch?“ – schon kurze Zeit nach der Geburt war das oft die Frage, die mit als erstes von vielen Menschen in meiner Umgebung gestellt wurde. Vor allem beim ersten Kind war das Umfeld sehr neugierig, denn Babys und Schlaf – das scheint eine interessante Thematik zu sein. Ich hatte zu dem Zeitpunkt (2-3 Monate nach der Geburt meiner ersten Tochter) noch keine Ahnung wie das denn so üblicherweise läuft mit dem Durchschlafen. Ich kannte nur wenig Schlaf und viel Schreien. Das  Schreien zu reduzieren und dafür ein schlafendes Kind zu haben war zu dem Zeitpunkt mein oberstes Ziel. Wirklich viel belesen hatte ich mich vor der Geburt nicht, ich dachte immer das wird schon und wenn Probleme auftreten kann ich das auch später noch lösen.

Die Frage hat mich also in dieser Situation eher etwas überfordert: Was, mein Kind sollte schon durchschlafen? – irgendwie scheint die Frage, ob das Kind denn schon durchschläft immer die Selbstverständlichkeit zu beinhalten, dass es so sein sollte. Ich hatte bis zu dem Zeitpunkt noch gar nicht an Durchschlafen gedacht – das schien mir noch in weiter Ferne zu liegen. Und dann, dann fühlte ich mich etwas unter Druck gesetzt. Ich dachte, wenn das jemand fragt, dann scheint es ja normal zu sein. Kinder in dem Alter sollten länger als 2 Stunden am Stück schlafen, wenn nicht stimmt etwas nicht. Für mich war es aber gar nicht normal. Und ich hatte das auch vorher nicht wirklich als problematisch gesehen. Klar, es war jetzt nicht angenehm. Mehr Schlaf hab ich mir schon gewünscht. Aber es war halt so und erst die Frage danach hat die Situation problematisiert. Erst dann kam mir der Gedanke: hier scheint etwas falsch zu laufen!

Ich recherchierte und es stellte sich dann schnell heraus, dass alles okay war so wie es ist. Ich konnte mich also wieder beruhigen. 40 bis 60 % aller Kinder im Alter zwischen einem und sechs Jahren wachen nachts regelmäßig auf. Im ersten Jahr wachen eigentlich alle Babys nachts auf. Da gibt es wohl nur ganz seltene Ausnahmen.

Leider wurden die Fragen, nach dem Können meiner Töchter, nicht weniger und dazu häuften sich dann die Geschichten: „Ach ja die Sophie, die sitzt schon auf dem Töpfchen und Brei bekommt sie auch schon dreimal am Tag. – Wie ist das eigentlich bei euch jetzt? Sie ist doch fast gleich alt, oder?“ Jedes Mal tappte ich wieder in diese Falle und fühlte mich unter Druck gesetzt. Ich dachte Erwartungen erfüllen zu müssen. Sonst würde etwas mit meinem Kind nicht stimmen.

Erst nach und nach lernte ich, wie individuell und verschieden Kinder sind. Dass es völlig egal ist, was andere Kinder machen. Denn mein Kind ist so wie es ist. Es kann manche Dinge schneller, für andere braucht es länger. Und es ist einfach egal wie es jetzt genau abläuft mit der Entwicklung, solange wir uns damit gut fühlen und es unseren Kindern gut geht.

Ich hab irgendwann einfach aufgehört richtig hinzuhören, wenn es in Gesprächen wieder einmal nur um das Können der Kinder ging: wenn erzählt wurde, was wir selbst in dem Alter schon konnten oder was eben gleichaltrige Kinder schon können. Oder das der kleine Cousin, der mehr als ein Jahr jünger ist, schon von 7 bis 7 schläft. Unsere Kinder sind so wie sie sind! Ja, sie schlafen mit 3 und 4 Jahren noch im Familienbett. Unsere jüngste Tochter wird auch noch gestillt und trägt noch eine Windel. Dafür haben wir schon lange keinen Schnuller mehr im Haus. Bei jedem anderen darf es gern ganz anders sein, auch wenn die Kinder das gleiche Alter haben sollten. Uns geht es gut mit dem wie es ist. Meine Töchter sind einfach nicht vergleichbar mit anderen Kindern, sie sind beide schon so verschieden. Ich brauche mich nicht mit Geschichten von anderen unter Druck setzen, meinen Kindern etwas beibringen zu müssen – denn uns geht es gut so wie es ist. Mein Kind kann so viel – es muss nicht abgestillt werden oder im eigenen Zimmer schlafen.

Eure Sarah

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1 Comment

  • Reply
    Maru
    06/05/2016 at 16:46

    Super! Genau richtig! Jedes Kind ist anders und doch wappnen ich mich schon gegen alle möglichen Kommentare, die bei Kind Nummer zwei sicher wieder aufkommen. Vieles lief bei Nummer eins anders als gedacht (Langzeitstillen, Familienbett, usw.) und doch sind wir drei glücklich und zufrieden so wie es ist. Für uns passt alles. Und ich vertraue darauf, dass wir auch unseren Weg zu viert finden werden.

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