Schwesternliebe&Wir
Leben mit Kindern

Wenn Kleinkinder die Welt endecken

Meine Tochter steht an ihrer Spielküche: drei Herdplatten und ein Spülbecken, Töpfe, Pfannen, Löffel und allerlei anderer Kram zum Kochen sind darin. In das Spülbecken habe ich vor einiger Zeit ein paar Linsen und etwas Mais hineingefüllt. Später hat sie sich selbst noch mehr davon aus dem Küchenschrank genommen und in das Becken geschüttet. Für sie gehören die Hülsenfrüchte nicht in den Küchenschrank, sondern in die Spielküche. Täglich steht sie vor dieser Küche, um zu kochen oder einfach nur um die ganzen Früchte auf den Boden fallen zu lassen. Das macht dann so schöne Geräusche.

Am liebsten würde ich in diesem Moment eingreifen und das Spiel beenden. Denn die Früchte springen über den Boden und liegen dann immer im ganzen Raum verteilt. Manchmal auch in den Nebenräumen. Und auch wenn ich am Abend mit Kehrschaufel und Besen alles wieder versuche einzusammeln, beim nächsten mal Staubsaugen klimpert es trotzdem sehr oft. Und so werden es immer weniger Hülsenfrüchte in der Spielküche.

Mit einem Kleinkind komme ich ziemlich oft in diese Situation. Sie entdeckt mit allen ihren Sinnen die Welt und oft würde ich gern einfach nur „Nein“ und „Stopp“ rufen, ihr helfen oder ihr Dinge abnehmen, die sie noch nicht kann. Ihr zeigen, wie es richtig geht.

Aber dann würden ihr so viele Lernmöglichkeiten verloren gehen. Denn wenn ich abends die Linsen aufkehre, schnappt sie sich meist selbst auch Kehrschaufel und Besen um mir zu helfen. Sie findet es spannend, was ich da mache und lernt so ganz von allein, wie die Früchte wieder zurück in ihre Spielküche kommen.

Natürlich funktioniert das bei ihr noch lange nicht so gut wie bei mir. Sie braucht viel länger um alles auf ihre Schaufel zu bekommen und oft fällt auch wieder etwas beim Transport zur Spielküche herunter. Das sagt sie immer „oh oh“ und versucht es noch einmal. Denn sie ist neugierig und Neugier treibt unsere Kinder immer wieder an Neues auszuprobieren. Die Entdeckungsfreude unserer Kinder ist riesig und sie sind immer auf der Suche nach neuen Erfahrungen. Sie wollen herausfinden, warum etwas passiert. Sie finden es spannend neue Zusammenhänge zu erkunden und zu entdecken.

Bei diesen Entdeckungen läuft auch mal etwas schief – eigentlich läuft dabei fast immer etwas schief. Aber genau das hilft den Kindern beim Lernen. Denn wenn meiner Tochter dann zum dritten mal alle Früchte von der Schaufel wieder heruntergefallen sind, dann hat sie auch verstanden, warum das so ist. Und beim vierten mal schaut sie dann etwas genauer hin. Passiert das auch, wenn ich aufpasse und die Schaufel gerade halte? Vielleicht hält sie diese auch mal mit voller Absicht schief, um zu begreifen, ob das nun der Grund dafür war, dass es davor nicht funktioniert hat.

Hätte ich ihr die Schaufel gleich beim ersten Mal weggenommen, um zu zeige wie es richtig geht, hätte sie vermutlich das Interesse verloren. Sie wäre weggegangen, ich hätte allein alle Linsen wieder zurücktransportiert und meine Tochter hätte sich mit etwas anderem beschäftigt. Ihre Neugier wäre nicht geweckt worden und die Lernmöglichkeit verstrichen.

Unsere Kinder brauchen so oft gar keine Hilfe und Unterstützung. Sie können vieles selbst und brauchen eben dann etwas länger. Braucht ein Kind unsere Hilfe aber doch mal, dann kann es sich diese auch selbst einfordern. Als Hilfe reicht da manchmal eine kleine Anregung und sie können ihren Weg selbst finden. Manchmal braucht es etwas mehr, aber vor allem braucht es Vertrauen. Vertrauen in das eigene Können.

Eure Sarah

 

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