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Von Phantasie und großen Lernmöglichkeiten

Zu Weihnachten hat E von ihrer Patentante den tollen Holzregenbogen von Grimms geschenkt bekommen. Viele von euch kennen den sicherlich schon und der ein oder andere hat sich vielleicht auch schon gefragt wofür dieser gut ist. Als ich den Regenbogen das erst Mal sah, dachte ich auch: „Der ist doch nur zum Rumstehen und schön aussehen da!“ Das ist nun schon einige Jahre her und in der Zwischenzeit ist mir so einiges zu Thema sinnvolle Spielsachen für Kinder klarer geworden.

Auf jeden Fall stand der Regenbogen dann bei uns unter dem Weihnachtsbaum und irgendwann fragte mich Christian wozu dieser denn gut sei, unser Kind wisse doch gar nicht was es damit machen soll. Das stimmt tatsächlich! Auf den ersten Blick ist es eben einfach nur ein Regenbogen, aber genau das ist das Tolle daran.

Spielsachen die eine Richtung vorgeben

Stellt euch vor euer Kind hält ein Spiel-Handy in der Hand. Was kann das Kind damit machen? Genau, es spielt telefonieren. Auf eine andere Idee würde es gar nicht kommen, denn das Spielzeug gibt ihm ganz klar vor was zu tun ist.

Solche Spielsachen machen es einem Kind einfach, es kann sie einfach nehmen und los spielen. Es muss nicht nachdenken. Aber einfach ist in diesem Fall nicht wirklich vorteilhaft. Denn Kinder haben einen sehr großen Drang zu Lernen. Sie lieben es neue Dinge zu entdecken und zu erkunden und immer dann, wenn sie es geschafft haben und eine neue Herausforderung bewältigt ist, werden im Gehirn neue Verbindungen geknüpft. Das Gehirn wächst.

Das Ganze passiert aber eben nur, wenn Kinder die Möglichkeit haben etwas zu erkunden und neue Erfahrungen zu machen. Wenn ich mich zum Beispiel an meine Schulzeit erinnere, dann hatte ich oft Probleme mir irgendwelche abstrakten physikalischen Vorgänge vorzustellen. Hatte ich allerdings die Möglichkeit diese auf irgendeine Weise selbst zu erkunden war mir der Vorgang sofort klar. Wurde er mir allerdings nur vorgegeben, konnte ich ihn nicht so gut lernen.

Ähnlich ist es bei Kindern. Wenn sie Spielsachen haben die ihnen keine klare Richtung vorgeben, dann müssen sie sich etwas überlegen. Sie fangen an darüber nachzudenken was sie jetzt spielen könnten und kommen dabei meist auf sehr kreative Ideen. Und währenddessen haben Kinder nicht nur Spaß, sondern lernen auch noch sehr viel.

Geben Spielsachen also eine bestimmte Richtung vor, sieht das für uns als Erwachsene erst einmal logisch aus. Denn wir kaufen eben ein Handy um es als solches zu benutzen. Wir kaufen einen Teller um davon zu Essen und einen Tisch um darauf Dinge abzustellen. Aber genau so gut könnte der Tisch eine Höhle sein! Wir würden nur nie auf die Idee kommen, da wir bei Dingen immer einen klaren Bezug zu ihrem Nutzen sehen.

Durch Spielsachen Lernen

Ob das für uns als Erwachsene jetzt gut oder schlecht ist, dass wir so oft unsere Phantasie nicht mehr gebrauchen können will ich jetzt nicht genauer erläutern. Aber für Kinder ist es auf jeden Fall nicht gerade von Vorteil.

Ein Baby wird mir einer großen Anzahl von Neuronen im Gehirn geboren. Diese sind allerdings noch nicht sehr gut miteinander vernetzt. Diese Vernetzung, die über die Synapsen vonstattengeht, geschieht durch Lernen. So lernt ein Baby in den ersten Wochen die Stimme, den Geruch und das Gesicht seiner primären Bezugsperson kennen. Nach und nach lernt es diese von anderen Personen zu unterscheiden und irgendwann fängt es dann an zu Fremdeln. Das Baby hat gelernt zwischen vertraut und fremd zu unterscheiden.

So geht das dann immer weiter. Kinder lernen neue Dinge dazu. Sie verknüpfen zum Beispiel die Farbe rot mit einer Tomate und mit einer Feuerwehr. Die Feuerwehr wird wiederum mit Rauch und dem Blaulicht verbunden. Und die Tomate mit anderen Dingen. Es werden nach und nach sehr viele andere Begriffe mit dieser Farbe in Verbindung gebracht, mit dieser verknüpft. Deswegen fällt es den meisten auch nicht schwer die Farbe rot zu benennen, wenn sie diese sehen. Es führen nämlich sehr viele Wege, über unzählige Synapsen zu der kleinen Zelle, die diese Information enthält.

Bei anderen Dingen fällt es uns oft schon schwerer diese zu benennen. Mir geht es zum Beispiel mit den verschiedenen Formen von Sushi so. Ich weiß, dass ich diese alle kenne, aber es gibt eben nur wenige Verbindungen in meinem Gehirn zu genau dieser Information.

Es ist also sinnvoll möglichst viele Verbindungen aufzubauen. Überfordert wird das Gehirn wahrscheinlich eher nicht sein, wir Menschen benutzen über unser Leben hinweg nur einen kleinen Bruchteil unseres Gehirns. Kapazitäten sind also da.

Aber es müssen die nötigen Voraussetzungen gegeben sein, damit sich diese Verbindungen bilden können. Und dazu gehört unter anderem Kindern beim Spielen die Möglichkeit zu geben ihre Phantasie zu benutzen, Neues zu entdecken und zu Lernen. Und das geht am besten mit Spielsachen die keine Richtung vorgeben. Stöcke und Blätter aus dem Wald sind besser für das Lernen als ein Lernspiel, wie zum Beispiel ein Lük-Kasten. Ein Holzregenbogen weckt mehr Ideen als ein Spiel-Auto, was eben nur ein Auto sein kann. Kinder können oft stundenlang im Sand spielen, mit einer Puppe wird ihnen aber vielleicht schneller langweilig.

Ähnlich ist es mit dem Verhalten, was wir als Eltern gegenüber unseren Kindern zeigen. Wenn wir diesen ständig erklären wie alles geht, dann können sie es nicht selbst erkunden. Sie können nicht lernen wie sie am besten auf den Baum klettern können, wenn wir immer daneben stehen und sie besorgt versuchen sie davon abzuhalten noch höher zu klettern. Unterstützung ist gut und unsere Kinder sollten sich immer darauf verlassen können, dass wir da sind wenn sie uns brauchen. Aber mehr brauchen sie eigentlich nicht. Mehr zum Verhalten von Eltern und zum Thema Bespielen oder Spielen lassen könnt ihr zum Beispiel hier und hier lesen.

Und dann im Alltag

Das ganze beschreibt jetzt natürlich so meine Idealvorstellung. Es wäre schön, wenn ich es immer schaffen würde meinen Kindern den Raum zu geben sich frei zu entfalten. Das klappt natürlich nicht immer, denn ich habe dann ja auch meine Grenzen. Unsere Töchter benutzen zum Beispiel zur Zeit gern Strohhalme beim Essen. Diese werden allerdings weniger zum Trinken genutzt, sondern eher um hineinzupusten und um es sprudeln zu lassen. Je nachdem wie voll das Glas ist, entsteht dann früher oder später eine Pfütze auf dem Tisch. Das finde ich natürlich nicht so toll und mal halte ich es länger aus und lasse die Beiden erkunden, mal weniger lang.

Ähnlich ging es Christian lange bei Kletteraktionen der Beiden. Ich habe es sehr früh gelernt „weg zu schauen“ und die Beiden einfach klettern zu lassen. Das hat zwar zu einigen blauen Flecken und Beulen geführt, aber dabei haben meine Töchter wahrscheinlich auch einiges gelernt. Christian viel es lang sehr schwer, aber inzwischen wird es auch für ihn immer leichter und er lässt die Beiden einfach machen. Vielleicht auch, weil unsere Töchter immer sicherer und kompetenter werden. Diese Sicherheit und Kompetenz erhalten sie aber eben nur, wenn sie auch die Möglichkeit haben diese zu erlernen.

Damit aus den kleinen Persönlichkeiten selbstsichere und kompetente Erwachsene werden ist es also wichtig ihnen eine Umgebung zu bieten die ihre Phantasie anregt und die zum Lernen animiert. Eine Umgebung die ihnen die Freiheit lässt Dinge auszuprobieren und selbst zu erproben. Und eine Familie die ihnen die Gewissheit gibt, dass sie immer da ist. Die ein sicherer Hafen ist, in den das Kind zurückkehren kann, wenn es Hilfe und Unterstützung braucht.

Mehr zur Gehirnentwicklung von Kindern und welche praktischen Konsequenzen daraus gezogen werden sollten ist hier sehr gut und ausführlich erklärt.

Eure Sarah

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