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Stillen // Muss ich abstillen, wenn mein Kind in die Kita geht?

Meine drei Kinder habe ich bis zum jetzigen Zeitpunkt zusammen gezählt 5 Jahr und 7 Monate gestillt und ein Ende ist da noch nicht in Sicht. Bei diesen Zahlen wird schnell deutlich, dass wir das in Deutschland übliche Abstillalter von 6 Monaten weit überschritten haben. Trotzdem sind meine Kinder alle schon vergleichsweise früh zu einer Tagesmutter oder in eine Kita/Krippe gegangen. Nämlich mit 15 Monaten bzw. zwei mit 8 Monaten. Wir haben also gestillt und gleichzeitig wurden unsere Töchter nicht ausschließlich von mir oder dem Papa betreut.

Immer wieder höre ich, dass Frauen abstillen möchten, weil für das Kind bald eine außerfamiliäre Betreuung genutzt werden soll. Oft wird es sogar von den Einrichtungen gefordert, bzw. stark dazu geraten. Viele Einrichtungen schließen auch ein Füttern von abgepumpter Muttermilch aus und das zwingt viele Eltern natürlich dazu das Baby an eine andere Nahrung zu gewöhnen. Der Druck ist da oftmals sehr hoch und Eltern versuchen dann in einem solchen Fall schon möglichst früh das Baby an Brei oder Flaschennahrung zu gewöhnen. Damit es dann, wenn es so weit ist auch wirklich funktioniert!

Stillen und Kita kann funktionieren

Bei einem Betreuungsalter von 15 Monaten war es bei uns natürlich einfacher. Unsere Tochter hat schon vieles gut gegessen und wurde davon auch satt. Das Thema Stillen oder nicht – Stillen war da, in Bezug auf die aufgenommene Nahrung, kein großes Thema mehr. Denn eine Zeit von 5 Stunden lässt sich eben auch mal gut ohne Muttermilch überbrücken.

Zum Thema wird das dann erst, wenn das Kind das Stillen eventuell zum Einschlafen braucht. Viele Eltern oder auch Erzieher haben dann Bedenken, dass dies nicht funktionieren könnte. Hier habe ich aber deutlich gemerkt, dass Kinder sehr schnell unterscheiden können. Sie wissen: Milch gibt es nur bei Mama! Und wenn diese nicht da ist finden sich schnell andere Wege, damit das Kind auch so in den Schlaf findet. Unsere Tagesmutter und auch die Erzieher in der Krippe haben unsere Töchter dann immer aus dem Arm einschlafen lassen, sie in den Schlaf gewogen oder in einem Tragetuch getragen.

Ein weiterer Punkt ist, dass oft Bedenken bestehen, dass sich gestillte Kinder nicht so gut von den Eltern lösen können und neue Bindungspersonen nicht so gut annehmen.

Bei Kindern unter drei Jahren sollte immer mit einem großzügigen Zeitraum für die Eingewöhnung gerechnet werden. Wir haben immer ca. 8 Wochen eingeplant. Eines unserer Kinder haben wir mit 15 Monaten abgestillt eingewöhnt. Bei ihr mussten wir die Eingewöhnungszeit sogar noch auf 11 Wochen erweitern. Unsere anderen beiden Töchter haben mit ihren 8 Monaten einmal 3 Tage und eine ca. 5 Wochen gebraucht. Beide wurden zu diesem Zeitpunkt noch voll gestillt!

Aus unserem ganz persönlichen Beispiel wird ersichtlich, dass die Eingewöhnungszeiten von Kind zu Kind individuell sind. Aber nicht unbedingt durch das Stillen beeinflusst werden. Sicherlich mussten die Tagesmutter und die Erzieher andere Wege zur Beruhigung finden, aber als Bindungsperson wurden sie von unseren Kindern trotzdem angenommen. (Im Alter bis drei Jahre können Kinder übrigens zu bis zu drei Personen eine Bindung aufbauen. Dabei gibt es immer eine Hauptbezugsperson (meist die Mutter) und zwei Nebenbezugspersonen. Eine dieser Personen sollte möglicherweise immer in der Nähe sein.)

Bei einem Betreuungsalter von 8 Monaten kommt natürlich noch ein weiterer Punkt hinzu: wie wird das Kind ernährt, wenn die stillende Mutter gerade nicht in der Nähe ist.

Meine Kinder wurden mit 8 Monaten noch voll gestillt. Sie hatten zu diesem Zeitpunkt zwar schon ab und an mal an einer Banane gelutscht, aber viel mehr wurde da noch nicht probiert. Und vor allem hat diese Nahrung auch noch nicht satt gemacht! Bei unserer einen Tochter haben wir es damals mit Brei probiert. Von mir hat sie diesen nicht angenommen (bis 18 Monate hat sie nur Muttermilch akzeptiert, sobald ich in ihrer Nähe war!), bei ihrer Tagesmutter war es dann allerdings kein Problem. Und so ging es recht fix, dass diese die 5 Stunden Betreuungszeit gut mit zwei Portionen Babybrei überbrücken konnte. Und wenige Monate später hat unsere Tochter dann auch dort vom Tisch mitgegessen.

Bei unserer anderen Tochter verlief es ähnlich. Allerdings haben wir bei ihr mit BLW gestartet. Und da ihre Eingewöhnungszeit auch etwas länger verlief, war sie dann erst mit 10 Monaten mehrere Stunden am Stück ohne mich. Und so hat sie während der Eingewöhnungszeit auch nach und nach gelernt mehr zu Essen. Und mit ihren 10/11 Monaten wurde sie dann von einer Mahlzeit wirklich satt. Zusätzlich wurde uns übrigens auch immer die Option offen gehalten abgepumpte Muttermilch mitzubringen!

Stillen und außerfamiliäre Betreuung muss sich also nicht ausschließen. Es kann gut miteinander funktionieren und ein Grund zum Abstillen sollte der nahende Kitabeginn meiner Meinung nach nicht sein.

Eure Sarah

 

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2 Comments

  • Reply
    Dresden Mutti
    17/08/2018 at 12:59

    Da hast du wirklich ein gutes und wichtiges Thema aufgegriffen. Der Sohn einer Freundin kam mit einem Jahr in den Kindergarten und wurde auch noch gestillt, bis er zwei Jahre alt war. Meist ist es gar nicht so kompliziert, wie man es sich vorstellt, zumal die Kinder das Milch-Trinken mehr und mehr auf abends/nachts verlagern.

    • Reply
      Sarah
      23/08/2018 at 21:57

      Das stimmt. Viele Stillen sowieso nach dem ersten Geburtstag weniger tagsüber und können eben auch gut unterschieden wo es Milch gibt und wo nicht. Schön, dass es bei deiner Freundin auch so gut funktioniert hat.

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