Schwesternliebe&Wir
Leben mit Kindern

Einschlafbegeitung // zwischen wunderschönen Momenten und strapazierten Nerven

Seit nun etwas mehr als sieben Jahren begleite ich unsere Kinder in den Schlaf. Meist in unserem Familienbett. Zwischenzeitlich gab es nur eine ganz kurze Phase, in der die Mädels am Abend allein mit Papa ins Schlafzimmer wanderten und ich Feierabend hatte. Oder besser gesagt schon etwas früher aufräumen und Wäsche legen durfte. An allen restlichen Tagen in den letzten Jahren begleitete ich in den Schlaf. Immer und immer wieder liege ich geduldig jeden Abend zwischen meinen Kindern und warte darauf, dass allen die Augen zufallen.

Nach dem vorherigen abendlichen Prozedere bestehend aus Abendessen, duschen und Zähne putzen bin ich auch irgendwie immer etwas froh, wenn wir dann alle endlich im Schlafzimmer angekommen sind. Denn irgendwer hat eigentlich immer keine Lust, ist zu müde oder es gibt mal wieder irgendeinen Streit. Und zwischen all dem warte ich dann so oft sehnsüchtig auf einen Moment der Ruhe.

An manchen Abenden gibt es diesen Moment auch mit dem Ausmachen des Lichts. Dann liegen wir alle aneinander gekuschelt in unserem großen Bett, es leuchtete nur das kleine Licht des Babyfons, das Babymädchen stillt und ich halte Händchen mit den großen Schwestern. Dieser Moment ist dann immer wieder einfach wunderschön und meist würde ich dann am liebsten einfach so für immer mit den Drein liegen bleiben.

Aber dann gibt es auch noch die vielen anderen Abende.

Vor langer Zeit hatte ich mal darauf gehofft, dass das Ganze mit dem Einschlafen mit zunehmenden Alter immer einfach wird. Das wird es tatsächlich auch, aber das dauert eben irgendwie hier deutlich länger, als ich erwartet hätte. Dazwischen gibt es hier eher so Phasen. Phasen in den alle friedlich innerhalb von 20 bis 30 Minuten eingeschlafen sind. Und Phasen in denen erst noch ein wenig neben Mama geturnt wird, Lieder gesungen werden und trotz eindeutiger Müdigkeit niemand einschlafen möchte. Und leider sind diese Phasen bei drei Kindern auch irgendwie immer zeitlich versetzt, sodass dieses friedliche Einschafen dann nur noch ganz selten stattfindet.

Zurzeit liege ich jeden Abend mindestens eine Stunde neben meinen Töchtern. Zwei schlafen meist innerhalb von 10 Minuten und eine braucht lange. Und ich liege dann immer dazwischen, warte und schwöre mir, dass das definitiv unser letztes Baby war. Aber irgendwann schlafen sie dann und ich kann mich heraus schleichen. Und schon beim Betrachten der drei nebeneinander schlafenden Mädchen werde ich meist sentimental und wünsche mit, sie würden für immer so klein bleiben.

Kinder müssen nicht allein einschlafen können

Dass meine Kinder nicht allein einschlafen und dies auch oft länger als 30 Minuten dauert, empfinde ich übrigens als völlig normal. Kinder benötigen einfach bis zu einem gewissen Alter unsere Nähe und die Geborgenheit um sicher in den Schlaf finden zu können. Manche Kinder können schon früh allein einschlafen, andere brauchen länger und jedes Kind hat dabei sein eigenes Tempo. Einschlafen bedeutet für Kinder immer eine Trennung, denn in die Welt des Schlafes kommen Mama und Papa nicht mit. Deswegen begleite ich meine Kinder, um ihnen die Sicherheit zu geben, die sie brauchen um entspannt einschlafen zu können.

Irgendwann wird dann der Tag kommen und meine Kinder werden das dann auch alle allein schaffen.

Nun geht seit einigen Tagen viel Kritik zum aktuellen Film „Elternschule“ durch die Medien. In dem Dokumentarfilm wird eine Klinik gezeigt, die eine Schlafstörung so definiert: „eine Schlafstörung läge vor, wenn ein Baby oder Kleinkind länger als 30 Minuten zum Einschlafen braucht. Oder wenn es nicht ohne eine Begleitperson einschlafen kann, etwa im Elternbett„.

Nach dieser Definition hätten alle meine Kinder eine Schlafstörung. Für mich ist unsere Einschlafsituation nicht immer angenehm und schön, aber etwas was eben zum Kinder-haben dazu gehört und was wir zusammen schaffen. Denn ich respektiere meine Kinder und damit auch ihre Angst vor dem allein einschlafen und sehe darin keine Störung.

Nun würde in der Klinik, deren Methoden in dem Film dokumentiert werden, diese Schlafstörung wie folgt behandelt werden: „Das Baby wird in einem Klinik-Gitterbett mit extrahohen Gittern in ein leeres Klinikzimmer geschoben. Die Gitter werden hochgezogen, das Kind verabschiedet („schlaf gut, Baby“, oder so was in die Richtung). Der Raum wird nun komplett abgedunkelt, die Tür verschlossen. Bis zum nächsten Morgen wird dieses Kind keine andere menschliche Interaktion erleben als kurze, sachliche medizinische Kontrollen durch die Nachtschwester, mit der Taschenlampe. Seine Mutter (von der dieses Kind vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben längere Zeit getrennt sein wird) wird nicht erscheinen, auch sonst wird niemand auf das Schreien des Kindes persönlich reagieren. Diese Behandlung wird Nacht für Nacht so lange fortgeführt, bis das Kind eben seinen Schlafrhythmus erlernt hat (oder was auch immer).“ (Beschreibung von Herbert Reiz-Polster).

Bei dieser Methode wird die Angst der Kinder komplett übergangen. Sie werden sich selbst überlassen und resignieren irgendwann. Sie schlafen allein ein, weil sie gelernt haben, dass Mama sowieso nicht kommt und das viele Schreien irgendwann weh tut. Das Schreien, was dazu dient die doch so wichtige Bezugsperson zu rufen. Die Person, die Kinder brauchen, weil sie so vieles noch nicht allein schaffen.

Stattdessen wird Kindern Manipulation unterstellt: Kleinen hilflosen Wesen, die dieses Wort noch nicht einmal aussprechen können und die uns Eltern über alles lieben, ganz egal wie wir mit ihnen umgehen. Denn auch das haben Studien gezeigt! Kinder lieben ihre Eltern, egal was sie tun. Selbst bei Misshandlung durch die Eltern verleumden Kinder oft deren Taten, aus Liebe und aus Angst die Eltern zu verlieren.

Ich bin deswegen überzeugt davon, dass Kinder uns nicht manipulieren wollen, wenn sie Probleme haben einzuschlafen. Ja, sie wollen dann unsere Aufmerksamkeit. Aber nicht um uns zu ärgern, sondern aus Angst. Weil sie uns brauchen und unsere Hilfe ganz einfach benötigen, um zu überleben. Diese Angst zu übergehen und Kinder allein zu lassen damit ist für mich Gewalt – Gewalt gegen Kinder.

Eure Sarah

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7 Comments

  • Reply
    SilkeAusL
    23/10/2018 at 10:01

    Ist der Film „Elternschule“ eigentlich ein aktueller Film oder aus den 60ern? Mit dem Schreien lassen(wie nannte sich das so schön, Ferbern?)ist doch eigentlich eine völlig überholte Methode, die Kinder zum Schlafen zu bringen… Meine „Kleine“(bald 6)schläft auch noch bei mir und selten alleine ein(ich gehe meistens mit ins Bett, weil es mir zu spät wäre, danach nochmal aufzustehen und etwas zu machen…Wenn ich Glück habe und im Bad etwas trödle, ist sie schon eingeschlafen und ich lese noch etwas…). Der Großen lese ich noch was vor; manchmal schläft sie bei ein, meistens nicht. Dann kann es schon mal anstrengendes hin und her Gerenne geben, was mich total annervt. Die Eine möchte was, bei der anderen ist das Licht aus, aber sie ist immernoch nicht zufrieden… wenn sich das dann über eine Stunde hinzieht und am nächsten Morgen der Wecker um 5:30 klingelt, finde ich das nicht mehr so entspannt…

    • Reply
      Sarah
      23/10/2018 at 10:14

      Entspannt ist es definitiv nicht. Ich bin auch oft genervt, aber sobald sie dann schlafen ist alles wieder okay für mich. Der Film ist leider aktuell und die Praktiken werden immer noch angewandt um Kinder zu therapieren.

  • Reply
    Gloria
    26/10/2018 at 20:54

    Mein Bub (7 Monate) schläft allein in seinem Zimmer ein. Er schläft dort gerne und gut ein. Ohne schreien. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass er Angst hat oder sonst ein unangenehmes Gefühl vorhanden ist. Er wird gewickelt, wir singen gemeinsam mit dem Papa das Gute-Nacht-Lied, dann stille ich ihn. Dabei schläft er nicht ein. Er isst seine letzte Mahlzeit, dann ist er fertig und signalisiert mir das auch entsprechend. Anschließend lege ich ihn in sein Bettchen, er dreht sich zur Seite oder auf den Bauch und schläft meistens innerhalb von wenigen Minuten ein.
    Ich schließe leise die Tür und er schläft i.d.R. durch bis zum nächsten morgen.
    Ich denke, er weiß, dass seine Eltern da sind und er hat auch keine Angst.
    Eine weitere „Einschlafbegleitung“ benötigt er nicht. Das ist für uns alle eine sehr gute Situation. Ich habe dabei keinerlei negative Gefühle (genervt sein, o.ä.) und er vertraut einfach drauf, dass seine Eltern für ihn sorgen.

    • Reply
      Linda
      15/11/2018 at 21:46

      Hallo ihr Lieben, also ich denke das ist schön für euch aber leider nicht bei allen Kindern Machbar! Ich arbeite in der Krippe und da legen wir natürlich auch Kinder schlafen. Ein paar wenige schlafen innerhalb von Minuten für Stunden, sodass wir sie wecken müssen. Meiner nicht. Braucht lange, schläft kurz. Mein großer war genauso. Nun ist er 4 und hat bis vor kurzem noch ne Stunde in seinem Zimmer gesungen und Bücher angeschaut. Nun schafft er es auch alleine ohne schreien zu müssen. Finde deinen Beitrag wieder schön zum Lesen, da hat man das Gefühl nicht die einzige Mama mit schlechten Schläfern zu sein. Schlaf Störung ist das dennoch nicht.

      Liebe Grüße

  • Reply
    Mariam
    07/11/2019 at 10:28

    Unsere zwei kleinen bezaubernden Töchter schlafen mit uns in einem großen Familien Bett, jeden Abend liegen Papa und Mama dazu, jeden Abend sind wir dankbar dafür, sie zu haben, dass sie gesund sind und unser Herz zum schmelzen bringen. Diese Liebe, Geborgenheit und ein sicherer Hafen wünscht sich jeder Mensch, und erst recht unsere Kinder!!
    Wir selbst erleben doch jeden Tag so viel neues, und unsere kleinen Käfer noch viel mehr. Zusammen einschlafen und in der Nacht zu wissen alle sind zusammen, jeder darf in Ruhe und schutz schlafen, dass ist doch das schönste der Welt. Wir dürfen alle unser Herz öffnen und mit Liebe durch diese Welt gehen. Ich wünsche es jedem Kind das es einfach sein darf und unendliche Liebe erfährt, auch beim einschlafen!!
    Alles Liebe und gute

    • Reply
      Admin Sarah
      11/11/2019 at 10:05

      Das hast du so schön gesagt <3

  • Reply
    Anna
    13/05/2020 at 20:57

    Liebe Sarah,
    Ich danke dir von Herzen für deine Worte- auch wenn dein Beitrag nun schon einige Tage her ist.
    Aktuell habe ich mit meinem 3,5 jährigen ähnliche Probleme, dass er nicht mehr allein einschläft. Nach mehr als 2 Wochen Kampf, Tränen und Verzweiflung habe ich mich durchgerungen, intuitiv zu handeln und dem Gefühl, das tief in mir schlummerte, nachzugeben. Seitdem schlafen wir wieder zusammen in meinem Bett ein und es scheint genau das gewesen zu sein, was er brauchte. Ich finde auch, dass man oft den Erwartungen und den Lehren der Psychologie und Pädagogik entsprechen will. Ähnlich wie du es beschreibst, dachte ich „Mein Kind hat oder entwickelt hier eine klassische Schlafstörung- mein Kind!“. Nebenbei- ich bin auch Psychologiestudentin und Pädagogin und deshalb sicher auch in gewissen Dingen irgendwie „vorbelastet“.
    Nach Verkürzung der Mittagsschlafzeit, was gut funktioniert und dem Beibehalten unseres Abendablaufs habe ich die Hoffnung, dass ich seinem Bedürfnis jetzt gerecht werden kann. So einfach kann es sein- verrückt, wie wir Erwachsenen uns doch manchmal dagegen sperren. Also an alle liebe Eltern…Kinder müssen nicht nach Buch schlafen und schon im Säuglingsalter allein schlafen. Es ist das Grundbedürfnis, nicht allein zu sein und gerade in gewissen Altersstufen und Entwicklungsabschnitten treten verschiedene Ängste bei Kindern auf. Noch dazu ist jedes Kind zum Glück anders. Und wer kann schon schlafen, wenn irgendwo ein Geräusch ist, das höchstwahrscheinlich ein Geist war- unser neues Wesen, das gerade real ist 🙂

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