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Leben mit Kindern

Bitte entschuldige dich! – Warum für Kleinkinder dieser Satz keinen Sinn macht

Wenn Kinder aufeinandertreffen, dann kommt es öfters auch mal zu Streit. Das passiert quasi jeden Nachmittag in unserem, Garten, auf dem Spielplatz oder wenn wir Freunde besuchen. Meine großen Töchter sind inzwischen so weit, dass ich mich in diese Streitereien versuche gar nicht mehr einzumischen. Natürlich fordern sie sich das gerne ein, da sich jeder zuerst im Recht sieht. Doch in den allermeisten Fällen kann ich das sowieso nicht beurteilen. Manchmal kann ich das allerdings, aber auch dann versuche ich neutral zu bleiben. Ich erläutere dann meist noch einmal, was passiert ist und merke an, dass eine Entschuldigung vielleicht ganz gut wäre.

Nun wollen wir Eltern zumeist gerne alles richtig machen. Und so fällt öfters mal der Satz “Bitte entschuldige dich!”, wenn das eigene Kind etwas falsch – was natürlich auch immer eine Sache der Definition ist – gemacht hat. Und ganz oft fällt dieser Satz auch schon gegenüber Kleinkindern, die gerade mal das Sprechen erlernt haben.

Nun ging es schon mir als Kind so, dass ich meine Entschuldigungen nie ernst gemeint habe, wenn mich jemand dazu aufgefordert hatte. Und da war ich schon lange dem Kleinkindalter entwachsen. Ich hatte durchaus ein Verständnis dafür, warum ich mich entschuldigen sollte. Habe es aber dann eben oft nicht eingesehen, weil der Erwachsene meiner Meinung nach selten die gesamte Situation betrachtet hat und ich das Urteil meist als falsch angesehen habe.

Ab wann macht eine Entschuldigung Sinn?

Und dort ist auch ein ganz wichtiger Punkt. Um sich ernsthaft zu entschuldigen, müssen wir uns in unseren Gegenüber hineinversetzen. Die Hirnreife dafür haben Kinder erst mit ca. 4 bis 5 Jahren. Alles andere ist nur ein mechanisches Entschuldigen und das macht meiner Meinung nach wenig Sinn. Denn weder das Kind – dem Unrecht geschehen ist – hat etwas davon, noch lernt das Kind – welches sich entschuldigen soll – etwas Sinnvolles dabei. Es lernt dabei keine Empathie, kein Mitgefühl, es lernt einfach nur, dass “Man das halt so mach”.

Ähnlich verhält es sich mit Worten wie “Bitte” und “Danke”. Ja, es ist freundlich diese zu verwenden, aber Kinder lernen diese Freundlichkeit nicht, indem wir sie dazu auffordern. Kinder lernen durch Vorbild. Wenn wir freundlich sind, während wir sie “erziehen”, dann werden unsere Kinder auch Freundlichkeit erlernen. Wenn wir jedoch durch Druck eine Entschuldigung, ein “Bitte” oder ein “Danke” fordern, dann lernen Kinder nur: ich hab so zu sein, wie meine Eltern das wollen.

Eltern als Vorbilder

Was können wir also tun, wenn wir gerne möchten, dass unsere Kinder ein Gefühl dafür entwickeln, wann eine Entschuldigung nötig ist?

Wir können unseren Kindern vorleben, wie wir uns Verhalten wünschen. Aber auch da haben wir nicht die volle Kontrolle, denn 1. sind wir nur Menschen und haben alle unsere Vorgeschichte, die sich auch in unserem Verhalten zeigt und 2. sind da auch noch viele andere Menschen, wie die Großeltern oder Erzieher im Kindergarten.

Aber, wenn wir uns als Eltern bemühen gute Vorbilder zu sein, dann werden unsere Kinder auch ganz automatisch lernen sich zu entschuldigen. Dafür ist es vor allem wichtig sich selbst immer wieder zu reflektieren. Ich gehöre ganz klar zu den Menschen, denen es schwerfällt sich Fehler einzugestehen und ich muss mich immer wieder daran erinnern, dass ich nicht perfekt bin und das auch nicht sein muss! Und dann fällt es mir auch leichter mich zu entschuldigen.

Den ersten Schritt müssen wir Eltern also immer bei uns selbst gehen. Wir müssen unser Verhalten reflektieren, überdenken wo wir eventuell unfair gegenüber unseren Kindern waren und dann den Schritt der Entschuldigung gehen. Ich selbst befinde mich da immer noch in einem Lernprozess. Einem schwierigen Lernprozess, aber einem der sehr wichtig ist.

Eure Sarah

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