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Bald beginnt die Schulzeit // Über Ängste und Hoffnungen

Meine Meinung zum Thema Schule in Deutschland war noch nie besonders positiv. Es gab eigentlich nur eine Zeit in der ich das Ganze mit Freude und guten Gefühlen betrachtet habe und das war kurz vor meiner Einschulung. Ich habe mich riesig auf den Tag gefreut. Aber ob es die Freude auf die Schule oder einfach nur das Wissen um eine riesige Zuckertüte war, kann ich nicht mehr genau sagen. Eine Vorstellung, was da wirklich auf mich zukommt hatte ich auf jeden Fall nicht!

Dann begann die Zeit. Meine Grundschulzeit. Ich hatte eine tolle Einschulung, an die ich mich heute noch sehr gut erinnern kann. Auch die ersten Wochen waren spannend und machten Spaß. Naja, bis auf den Sportunterricht. Den fand ich von Anfang an richtig doof. Ich war nämlich immer dieses kleine Mädchen, für das alle Geräte viel zu hoch waren und welches immer (!) als Letzte in die Mannschaft gewählt wurde. Selbst vor Ballspielen hatte ich panische Angst, da es tatsächlich schmerzhaft ist einen Ball von einem Kind abzubekommen, welches doppelt so schwer ist wie man selbst. Kein Wunder also, dass ich schon früh Strategien entwickelte um diese Schulstunden zu umgehen. Im Gymnasium fehlte ich sogar fast einmal ein komplettes Schuljahr wegen ausgedachter Krankheit.

Auch der Rest des Unterrichts konnte mich leider wenig begeistern. Meist war er doch eher langweilig. Hausaufgaben erledigte ich fast nie, sondern legte einfach vor dem Unterricht die Aufgabe vor mich hin und löste sie in dem Moment, wenn ich dran war. Und das schon in der 3. Klasse.

Es war jetzt nicht so, dass ich super intelligent und einfach unterfordert war. Ich fand es einfach langweilig das alles erlernen zu müssen. Vieles schien für mich einfach keinen Sinn zu machen. Wie zum Beispiel den Unterschied zwischen einem Plusquamperfekt und dem Perfekt korrekt definieren zu können. Ich sehe auch heute noch keinen Sinn darin.

Trotzdem kam ich gut durch die Schulzeit. Ich lernte fast nie, naja einen Tag vor dem Mathe-Abi schon, und kam doch mit einer sehr passablen Leistung durch. Allerdings träume ich jetzt immer noch manchmal, dass ich mein Abi nicht geschafft habe. Wahrscheinlich denke ich unterbewusst, dass das ja eigentlich gar nicht möglich sein kann.

Schule macht die Lust am Lernen kaputt

Nach meiner Schulzeit begann ich mit einem Psychologiestudium. Tatsächlich studiere ich das jetzt immer noch, denn durch die Kinder sind es einige Semester mehr geworden als geplant. Inzwischen stehe ich ganz kurz vor meinem Masterabschluss. In meinem Studium habe ich viel gelernt über unser Gehirn, Lernen und Motivation.

Ziemlich schnell wurde mir deswegen klar, dass das Schulsystem, mit welchem ich konfrontiert war, mir einfach die komplette Motivation zu Lernen genommen hatte.

Denn es war ja nicht so, dass ich nicht lernen wollte. Jeder Mensch wird mit einem natürlich Drang zu Lernen und sich Wissen anzureichern geboren. Kleinkinder üben Physik, wenn sie ihr Wasserglas verschütten. Und fast alle Eltern kennen mit Sicherheit die Warum?-Phase, in der Kinder einfach nicht mehr aufhören können Fragen zu stellen. Das tun unsere Kinder nicht, um uns zu ärgern, sondern weil sie die Welt erkunden, begreifen und erlernen möchten.

Mit dem 5. Geburtstag fing unsere große Tochter an zu rechnen. Sie setzte sich hin und fing an mit ihren Händen einfache Plus- und Mal-Aufgaben zu berechnen. Einfach, weil sie gern begreifen wollte, wie das Rechnen funktioniert. Den Rechenschieber den ich ihr kurz darauf schenkte behandelte sie, wie ihren wertvollsten Besitz, so wichtig war es ihr zu dem Zeitpunkt endlich Rechnen zu lernen.

Diese Motivation ist bei Kindern einfach da. Kinder müssen eigentlich gar nicht zum Lernen motiviert werden!

Aber warum verschwindet diese bei so vielen Kindern in der Schule?

In der Schule läuft vieles oft sehr strukturiert ab. Da gibt es unterteilte Unterrichtseinheiten und jedes Kind wird erst einmal in allem ausgebildet damit eine „Allgemeinbildung“ vorhanden ist. An ganz wenigen Stellen darf nach Interessenlage der Stundenplan angepasst werden. Ich selbst konnte mir aussuchen, ob ich lieber französisch oder russisch lernen möchte und habe mich später für ein musisch-künstlerisches Profil entschieden. Welches einfach nur ein wenig mehr Musik- und Kunstunterricht beinhaltete und dafür weniger von den naturwissenschaftlichen Fächern.

 

Viel Entscheidungsspielraum gab es da nicht und einige meiner Interessen verflüchtigten sich dann mit der Zeit einfach. Denn im Schulsystem hatten sie keinen Platz und dieses war zeitlich so fordernd, dass daneben auch zu wenig Platz blieb. Also fing ich einfach an mich irgendwie durchzukämpfen. Was für mich hieß: ich war anwesend und eher wenig aufmerksam. Allerdings war ich ziemlich gut darin einfach etwas fleißiger und aufmerksamer zu werden, wenn es nötig wurde. Also quasi, wenn meine Noten zu schlecht wurden und unbedingt einen Ausgleich brauchten.

Spaß am Lernen gab es da aber keinen!

Diesen Spaß, den meine Tochter hat, wenn sie am Wochenende morgens im Bett gern mit mir rechnen üben möchte. Oder, wenn sie gern detailliert die Unterschiede zwischen den Straßenschildern wissen möchte.

Ein weiterer Punkt, der Motivation kaputt macht ist Bewertung. Schon früh werden Schulleistungen bewertet, eingeordnet und das Lernen hat nur noch ein Ziel: gute Noten. In meiner Schullaufbahn habe ich also angefangen nicht mehr das neue Wissen als Lernziel zu haben, sondern die guten Noten. Lernen für eine Belohnung bringt leider deutlich weniger Freude mit sich. Freude am Lernen kann eigentlich nur entstehen, wenn die Freude über das neu angeeignete Wissen im Mittelpunkt steht. Bei dem ein oder anderen Schüler ist das sicherlich auch so der Fall und die guten Noten sind nur eine nette Beigabe. Bei vielen Schülern zerstört dieses Belohnungssystem aber leider die kindliche und natürliche Lernmotivation.

Ich wünsche dir Lernfreude

Nun kommt meine Tochter bald in die Schule. Sie freut sich darauf zu Lesen und zu Schreiben. Sie freut sich auf die neue Herausforderung in ihrem Leben. Was das genau bedeutet, weiß sie nicht. Ich weiß es auch nicht, denn ich kenne die genauen Umstände noch nicht.

 

So kann ich leider nur hoffen. Hoffen, dass es bei ihr besser funktioniert. Hoffen, dass sie sich ihre Freude behalten kann. Was ich dazu beitragen kann, ist sie zu begleiten. Ihr immer wieder zu verdeutlichen, dass Noten nicht so wichtig sind. Dass es wichtig ist, dass sie Freude hat und gern den Schulunterricht besucht. Denn mit Lernfreude kommen gute Leistungen oft ganz von allein.

Ich wünsche meiner Tochter von Herzen einen guten Start in ihr Schulleben. Ich wünsche ihr Freude und Spaß am Lernen und nicht, dass der Satz „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens“ mit diesem Start für sie Realität wird.

Eure Sarah

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2 Comments

  • Reply
    Anna
    09/05/2017 at 11:51

    Ein schöner Beitrag, den ich gut nachvollziehen kann, denn auch ich war – nach einer wirklich schönen Grundschulzeit – auf dem Gymnasium oft sehr unglücklich und froh, als meine Schulzeit vorüber war – auch wenn ich einen Einserschnitt schaffte, erinnere ich mich nicht gerne daran zurück. Daher würde mich interessieren, für welche Schule Ihr Euch für Eure Tochter entschieden habt und warum. Viele liebe Grüße, Anna

    • Reply
      Sarah
      10/05/2017 at 10:55

      Wir haben uns für die Grundschule, die in unserem Wohngebiet liegt entschieden. Leider haben wir hier keine Auswahl, da als private Schule nur noch eine Waldorfschule zur Verfügung steht. Das wäre aber für mich auch keine Option. Also können wir nur hoffen, dass unsere Grundschule einfach gut ist.

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