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Gewalt gegenüber Kindern // „Mama, du tust mir weh!“

Vor ein paar Tagen war ich einkaufen. Es war ruhig an diesem Abend und nur wenige Menschen waren unterwegs. Ich hatte es etwas eilig, denn ich wollte in 20 Minuten wieder zu Hause sein um noch den Bus zu erwischen und meine Töchter abzuholen. Ich lief also zügig von Regal zu Regal und versuchte nichts zu vergessen. Plötzlich wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. Laut rief ein Kind die Worte:

„Nein, Mama du tust mir weh“. Daraufhin die Mutter „Bleib jetzt sofort stehen“ – „Aber Mama, du tust mir weh“.

Ich schaute mich um, konnte das Kind und die Mutter aber nicht entdecken. Sie waren wohl einige Regale weiter. Ich musste mich erst einmal neu sortieren, ich hatte total vergessen was ich noch brauchte.

Kinder zu schlagen ist in Deutschland verboten. Trotzdem kommt es immer noch vor. Es kommt sogar gar nicht so selten vor. Laut dem Kinderschutzbund halten 48% der Bundesbürger eine Ohrfeige für akzeptabel. Das ist meiner Meinung nach eine erschreckend hohe Zahl.

Ein häufiger Grund für Gewalt gegen Kinder ist Überforderung. Oft wissen Eltern einfach nicht mehr weiter. Ihnen fällt kein anderer Ausweg ein. In diesem Fall ist es immer besser den Raum zu verlassen und erst einmal tief durchzuatmen. Was mir auch in solchen Momenten sehr hilft ist einfach mal kurz die Augen zu schließen, bis drei zu zählen und dann mein Kind in den Arm zu nehmen. Denn jede Reaktion ist besser, als Gewalt.

Welche Auswirkungen kann Gewalt gegenüber Kindern haben

Kinder sind in erster Linie von ihren Eltern abhängig. Je nach Alter ist diese Abhängigkeit größer oder kleiner. Kinder brauchen ihre Eltern nicht nur für Essen oder Kleidung, sie brauchen vor allem den elterlichen Schutz. Dieses Schutzbedürfnis haben nicht nur kleine Kinder, die zum Beispiel vor einer gefährlichen Straße oder ungewollten Annäherungen geschützt werden müssen. Nein, auch ein  größeres Kind benötigt diesen Schutz noch. Es kann zwar die Gefahren einer großen Straße inzwischen selbst einschätzen, aber viele andere Gefahren nicht. Hier fehlt einfach manchmal noch das Wissen.

Hat ein Kind Gewalt in der elterlichen Erziehung erfahren, dann kann es sehr schnell passieren das es sein Vertrauen in den elterlichen Schutz verliert. Stellt euch vor ein Kind wird in der Schule gemobbt. Jeden Morgen, wenn es in die Schule kommt lachen die Mitschüler über die Kleidung, die es trägt. Zuhause wurde das Kind, wenn es einen Fehler gemacht hat mit einem Klaps auf dem Po gestraft. Nicht bei jeder Kleinigkeit, aber schon regelmäßig und die Strafe wurde auch als schmerzhaft und verletzend empfunden. Ein Kind was von seinen Eltern eine solche Strafe erfahren hat, wird wohl kaum das nötige Vertrauen haben um sich an diese zu wenden, wenn es in der Schule verbal gemobbt wird. Es ist dann allein mit der Situation. Vielleicht hat es Glück und es gibt eine aufmerksame Lehrerin oder eine liebevolle große Schwester. Vielleicht auch nicht. In jedem Fall hat das Kind aufgrund der erfahrenen Gewalt das Vertrauen in den doch so wichtigen Schutz verloren. Der Schutz den Kinder brauchen, wenn sie sich langsam in diese Welt herauswagen.

Gewalt in jeglicher Form ist schädlich. Aber Gewalt gegen Kinder durch die Eltern ist besonders schädlich für die psychische Gesundheit. Diese Gewalt wird als existenziell bedrohlich empfunden. Denn das Kind erlebt nicht nur Gewalt, es verliert auch gleichzeitig den so wichtigen Schutz. Ein Kind ist auf diesen Schutz und die Geborgenheit bei den Eltern angewiesen. Demzufolge sind die psychischen Folgen umso gravierender, je näher die Person dem Kind steht. Dementsprechend kann auch die Bestrafung mit einem kleiner Klaps schon zu schweren psychischen Schäden führen. Gewalt durch Bezugspersonen führt zum Verlust in das Vertrauen zur Bewältigbarkeit der Welt!

Viele Schäden sind nicht sofort sichtbar. Und viele Folgen tauchen auch erst später auf. Wie zum Beispiel:

  • Rückzug, Isolation
  • Verlust von Respekt und Achtung vor Mutter und Vater
  • Antriebslosigkeit, Spielunlust
  • depressive Verstimmung
  • hochgradige Furcht
  • Klammern bei der Mutter oder der Betreuungsperson
  • Abwehr von Zuwendung
  • Stagnation der Entwicklung
  • Schulschwänzen
  • geringes Selbstwertgefühl/ Selbstbewusstsein Gewaltverhalten, erhöhte Aggressivität
  • Rückkehr in eine frühere Entwicklungsstufe (z.B. Einnässen, Babysprache)
  • Selbstverletzung, Suizidge­fahr

Das ist nur eine kleine Liste der möglichen Folgen.

Das Kind, welches ich im Supermarkt hörte, wirkte verängstigt. Es lief vor der eigenen Mutter davon.

Eure Sarah

Quellen: http://www.mk.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MK/MK/Textdokumente/Publikationen/Bildung/leitfaden_gewalt_gegen_kinder_jugendliche.pdf

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3 Comments

  • Reply
    Annika
    28/06/2016 at 22:40

    Hast du die Mutter angesprochen?

  • Reply
    Nina
    06/07/2016 at 12:16

    Gewalt geht natürlich gar nicht. Aber du hast nicht gesehen was vorgefallen war: Vielleicht hat die Mutter das Kind gar nicht geschlagen? So ging es mir mit meinem 2jährigen nämlich mal. Er hat mitten auf dem Parkplatz vom Supermarkt angefangen zu schreien „Mama du tust mir weh“. Dabei hab ich ihn nur am Arm festgehalten als er auf die Straße rennen wollte. Ihm hat das natürlich nicht gefallen und daher hat er so reagiert weil er sich noch nicht anders ausdrücken konnte und er bei allem was er nicht wollte zu dieser Zeit gerufen hat dass ihm etwas wehtun würde…. War mir ganz schön peinlich!

    • Reply
      Sarah
      07/07/2016 at 8:51

      Da hast du vollkommen recht. Hätte ich die Frau gesehen, hätte ich sie auch drauf angesprochen. Ich hab es aber nicht. Selbst nachdem ich mich umgeschaut habe, konnte ich sie nicht entdecken. Die beschriebene Situation sollte auch eher als kleines Beispiel dienen. Mir passiert es ja selbst immer wieder, das ich meinen Kindern ausersehen weh tue und mich dann entschuldigen muss. Aber das ist eben auch der wichtige Unterschied zu der Situation. Es kann mal passieren, weil wir vielleicht unser Kind eben vor etwas gefährlichem beschützen wollen. Aber meist kommt dann ja auch sofort eine Entschuldigung und kein „Komm jetzt sofort her.“

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