Schwesternliebe&Wir
Erziehung&Entwicklung

Mama, bist du noch meine Freundin?

Letztens saßen wir am Tisch und haben zu Abend gegessen. Irgendwann kommt dann immer der Punkt an dem unsere Töchter wenig essen und mehr irgendwelchen anderen Quatsch machen: Türme aus dem Essen bauen, im Wasserglas Suppe kochen und so. An sich alles nichts Schlimmes. Aber oft kommt dann auch der Moment in dem das Wasserglas umkippt, einfach nur weil es mal wieder zu nah an der Tischkante stand oder etwas zu übermütig gespielt wurde. Dann kommt von mir meist ein etwas genervt klingender Satz zum Thema: Ich hab dir doch schon so oft gesagt etc. und stell bitte dein Glas nicht so an die Kante. Dann gehe ich weg und wische alles auf. Wenn ich dann wieder zurück bin kommt oft die Frage: „Mama, bist du noch meine Freundin?“

Wenn unsere Töchter untereinander oder auch mit ihren Freunden im Kindergarten streiten, dann wird oft sehr schnell der Satz „Ich bin nicht mehr deine Freundin!“ gesagt. Eine halbe Stunde später ist der meist wieder vergessen und alle sind wieder glücklich und zufrieden. Die wirkliche Bedeutung und Tragweite in dem Satz erkennen meine Töchter noch nicht wirklich. Sie fühlen sie nur.

Wenn ich dann in irgendeiner Situation genervt und wütend reagiere, denken beide dann natürlich sofort auch an das Ende der Freundschaft. In dem Moment sage ich immer: Ja, natürlich bin ich nach deine Freundin. Das bleibe ich immer! Ich spüre dann immer eine große Erleichterung bei meinen Kindern.

Wie unglaublich traurig ist meine Tochter, wenn ihre beste Freundin ihr „die Freundschaft kündig“. Jedes mal wenn das passiert, kommt sie tieftraurig nach Hause. Am nächsten Tag will sie meist gar nicht in den Kindergarten, denn sie sieht keinen Sinn mehr darin, wenn doch ihre allerliebste Freundin nicht mehr ihre Freundin sein möchte.

Diese Reaktion zeigt, wie extrem Kinder auf solche Sätze reagieren. Auch, wenn sie ihnen selbst schnell über die Lippen kommen. Was einfach oft daran liegt, dass sie sich noch nicht ganz so emphatisch in andere hineinfühlen können. Denn Empathie zu lernen ist nicht so einfach: es braucht Eltern die diese vorleben und es braucht Zeit.

Zum Vorleben gehört dann eben auch, dass wir unseren Kindern vermitteln das wir immer da sind. Das wir auch da sind, wenn sie mal nicht alles richtig machen. Weil wir eben wissen, dass Menschen nicht perfekt sind und weil wir auch wissen das sie sowieso schon ein schlechtes Gewissen haben. Meine Tochter weiß ja genau, dass sie etwas falsch gemacht hat. Ihr dann mit Liebes-Entzug zu drohen wäre wohl eher nicht sehr emphatisch.

Ich habe mir inzwischen einige Verhaltensregeln versucht anzugewöhnen um meinen Töchtern immer wieder zu zeigen, dass sie keine Bedenken um meine Liebe haben müssen:

  1. Ich nehme sie mindestens 3 mal am Tag in den Arm und sage ihnen wie lieb ich sie hab. Inzwischen sind meine Töchter schon so groß, dass sie sich die Kuschelzeit nicht mehr so stark einfordern. Trotzdem genießen sie solche Momente sehr, also versuche ich diese zu schaffen
  2. Ich versuche immer erst einmal tief durchzuatmen, wenn mal wieder etwas schief gelaufen ist. Das klappt nicht immer, aber immer öfter. Manchmal werde ich laut, aber ich schicke meine Kinder nie weg oder drohe mit Liebesentzug.
  3. Und ich versuche meinen Töchtern sehr bewusst zuzuhören, wenn sie mir von Problemen aus ihrem Alltag erzählen. Wir versuchen dann gemeinsam schwierige Situationen die im Kindergarten erlebt wurden zu reflektieren.

Manchmal, und glücklicherweise immer seltener, höre ich Meinungen wie: Kinder brauchen Konsequenzen und Strafen. Meiner Meinung nach brauchen sie das nicht. Logische Konsequenzen sind okay. Wie zum Beispiel kaltes Essen, wenn das Kind auch nach vielmaligem Rufen nicht gekommen ist und das Essen einfach nun kalt ist. Oder das Aufwischen des umgekippten Wassers. Aber Liebesentzug und wegschicken stehen in keinem wirklich logischen Zusammenhang.

Zudem schwächen diese Konsequenzen auch die Bindung zwischen Eltern und Kindern. Sie vermitteln dem Kind: wenn ich nicht alles richtig mache, liebt mich meine Mama/Papa nicht mehr. Und was gibt es schlimmeres für ein Kind, was noch so sehr auf seine Bezugsperson angewiesen ist. Eine Bezugsperson die nicht nur existenziell wichtig ist, sondern die auch über alles geliebt wird? Solche Sätze sind oft schnell gesagt, meist nicht so gemeint, aber lösen unglaublich viel in einem Kind aus.

Deswegen ist es wichtig Konsequenzen immer nur in sinnvollen Zusammenhängen einzusetzen und zusätzlich immer wieder im Alltag seinen Kindern zu zeigen, wie wichtig und bedeutend sie für uns sind!

Eure Sarah

Das magst du vielleicht auch…

1 Comment

  • Reply
    Küstenmami
    25/05/2016 at 11:25

    Ja, da sprichst Du etwas an, was nicht so einfach ist… Ich versuche meinen Küstenkids so viel Liebe und Geborgenheit wie möglich zu geben – aber auch klar zu machen, wenn ich etwas nicht in Ordnung finde, was sie tun. Dabei unterscheide ich zwischen der Handlung, die ich nicht ok finde, und der Person, die sehr wohl ok ist und die ich immer lieben werde <3 Ich hoffe, das hilft.

    Viele liebe Grüße aus dem Norden
    Küstenmami

  • Leave a Reply

    Diese Webseite nutzt Google Analytics. Wenn du gern davon ausgeschlossen werden möchtest, dann klicke hier. Hier klicken um dich auszutragen.