Schwesternliebe&Wir
Mamagedanken

#regrettingmotherhood? – eher nicht.

Seit in der Süddeutschen Zeitung der Artikel über #regrettingmotherhood herauskam gibt es um dieses Thema eine hitzige Diskussion. Verständlich, denn das Bereuen der Mutterschaft ist etwas, was in unserer Gesellschaft nicht vorhanden zu sein schien. Mutter sein wird mit Mutterglück gleich gesetzt. Das es auch unglücklich machen kann und es tatsächlich Mütter gibt, die diese Entscheidung am liebsten rückgängig machen würden ist für viele ein befremdlicher Gedanke.

Ambivalente Gefühle sind jeder Mutter bekannt. Kinder sind nicht immer das größte Glück. Sie sind manchmal auch ganz schön anstrengend, oft kommen Erschöpfungsgefühle auf und am Wochenende ausschlafen und Nichts-tun wäre auch mal wieder ganz nett.

Doch die Mutterschaft zu bereuen geht darüber hinaus. Bereuende Mütter wollen die Rolle der Mutter nicht und diese am liebsten wieder abgeben. Doch Mutterschaft lässt sich nicht so einfach kündigen wie ein Job in dem wir unglücklich sind.

In unserer Gesellschaft scheint es als wenn das Mutter-werden etwas sei, was jede Frau möchte. “Es ist die Gesellschaft, die entscheidet, dass Frauen Kinder wollen, wollen sollen – oder irgendwann, früher oder später in ihrem Leben, wollen werden.” Doch vielleicht ist das gar nicht richtig und nicht jede Frau verspürt das Bedürfnis nach Mutterschaft. Und so manch eine wird dann vielleicht nur Mutter, weil es eben in unserer Gesellschaft so gefordert wird.

Dazu kommt, dass wenn wir dann einmal Mutter sind, sollen und wollen wir das alles auch perfekt machen. Damit steht eine Mutter schon kurz nach der Geburt unter einem extremen Druck: das Stillen soll sofort funktionieren, die Verwandtschaft muss kurz nach der Geburt eingeladen werden, damit alle das Baby bewundern können. Dies alles soll in einer perfekt aufgeräumten und geputzten Wohnung mit Kaffee und Kuchen stattfinden. Diese Anforderungen die wir uns selbst stellen sind oft zu hoch für uns. Doch wir empfinden sie als gesellschaftlich gefordert und möchten sie gern erfüllen um dem Mutterbild zu entsprechen. Und schon in dieser ersten Zeit fühlen sich viele Mütter überfordert mit all den Ansprüchen. Denn es ist schwer zu diesen gesellschaftlichen Normen einfach einmal “Nein” zu sagen und seinen eigenen intuitiven Weg zu gehen.

Später wird es sogar noch schwieriger seinen Ansprüchen gerecht zu werden. Wir möchten uns gut um unsere Kinder kümmern. Diese sollten so wenig wie möglich Fremd-betreut werden, in die Musikschule gehen, zum Ballett und jeden Tag ein frisch gekochtes Bio-Essen bekommen. Nebenbei wollen wir eine Wohnung, die immer perfekt aufgeräumt und sauber ist. Wäscheberge sollten auch keine vorhanden sein und im Garten jede Menge selbst angebautes Gemüse sprießen.

Schon allein die Aufgaben rund um die Kinder und den Haushalt wären eigentlich tagesfüllend. Doch zusätzlich möchten wir auch noch einen Job machen, am besten in Vollzeit und das natürlich auch immer mit vollem Enthusiasmus. Doch schon allein die Kombination Job und wenig Fremd-Betreuung funktioniert nicht. Somit kommen wir mit diesen hohen Anforderungen schnell an Grenzen und müssen Abstriche machen.

Genau an dieser Stelle, bei der Bearbeitung dieser Grenzen, gibt es einen Unterschied zwischen ambivalenten Gefühlen zu Mutterschaft und #regrettingmotherhood.

Eine Mutter die diese Grenzen akzeptiert sucht sich vielleicht eine Putzfrau, geht weniger arbeiten oder investiert in eine richtig gute Kinderbetreuung. Mit Sicherheit ist manchmal auch mehreres von Nöten um das Leben mit Kind(ern) gut meistern zu können. Diese “Maßnahmen” kann sie mit ihrem Bild der Mutter-Rolle vereinbaren. Danach werden immer wieder neue Stolpersteine auftreten und damit neue ambivalente Gefühle. Uns werden immer wieder Grenzen aufgezeigt, wofür wir versuchen müssen eine Lösung zu finden.

Doch manch eine Mutter schafft es eben nicht Aufgaben abzugeben oder zu streichen. Daraus kann dann das Gefühl entstehen, dass die Rolle der Mutter eben nichts für sie ist, weil sie es nicht schafft diese Rolle perfekt auszufüllen. Diese Rolle wird dadurch als nicht erwünscht angesehen. Der Wunsch die Rolle der Mutter abzulegen wächst somit, wenn es nicht möglich ist diese so zu erfüllen wie es die eigenen Ansprüche, geformt durch gesellschaftliche Normen, wünschen.

Es hängt also immer an dem Rollenbild, was wir von einer Mutter haben und wie gut wir damit umgehen können diesem nicht zu entsprechen.

Wichtig ist es den Fakt zu sehen, dass die Mütter in der israelischen Studie, welche diese Reue empfinden keine schlechten Mütter sind. Diese Mütter kümmern sich sehr gut um ihre Kinder, sie lieben ihre Kinder, aber sie empfinden die Mutter-Rolle als große Bürde.

Diese Gefühle sind schwer zu akzeptieren. Wahrscheinlich müsste sich dazu das gesellschaftliche Mutterbild komplett ändern. Es sollte  beispielsweise möglich sein, dass eine Mutter, deren Kinder nach der Trennung beim Vater aufwachsen nicht als abnormal angesehen wird. Abweichungen von der Norm in Bezug auf die Mutter-Rolle sorgt leider viel zu oft für Kritik im Umfeld, was das Mutter-sein für viele oft schwierig macht.

Jeder verarbeitet diese problematischen Gefühle welche bei der Diskrepanz zwischen den eigenen Ansprüchen und der Realität entstehen unterschiedlich. Einige schaffen es ihr Rollenbild der Realität anzupassen, anderen fällt dies deutlich schwerer. Und so abwegig es für viele erscheinen mag, kommt es dabei für einige Mütter zu Reuegefühlen in Bezug auf ihre Mutterschaft.

Ich selbst kenne diese ambivalenten Gefühle in Bezug auf meine Töchter sehr gut. Oft hätte ich einfach gern mehr Zeit für mich, weniger Fremd-Bestimmung oder ich fühle mich als schlechte Mutter, weil ich meine streitenden Töchter lieber mit Gummibärchen zum Frieden zwinge anstatt dieses Herumgezicke einfach auszuhalten oder den Streit zu schlichten. Oder ich bin unzufrieden, weil ich mir zu wenig Zeit zum Lernen genommen habe und meine Klausurnote nicht so ausgefallen ist wie ich mir das gewünscht habe. All diese Dinge wären vielleicht einfacher, wenn ich keine Kinder hätte. Aber es wäre auch alles einfacher, wenn ich meine Ansprüche öfter herunterschrauben würde.

Susanne beschreibt es so: “Das Leben ist, wie es ist. Manchmal kurvenreicher, manchmal gerader. Kinder bringen viele Kurven ins Leben, viele bunte Kleckse, die nicht geplant waren in makellos weißen Umgebungen.” Mit Kindern ist vieles oft noch schwieriger planbar, denn sie können auf ihre Eltern nicht verzichten. Ein Studium kann ich einfach verlängern, der Haushalt wird sich nicht beschweren wenn er einmal nicht erledigt wird und von Grießbrei werden wir genauso gut satt wie von einem aufwendig zubereiteten Salat. Wichtig ist es die Kurven und Kleckse zu akzeptieren.

regretting motherhood

Kinder sind lebhaft, wunderbar und manchmal überfordernd

Ich empfinde meine Kinder als wunderbar und bereue das Muttersein nicht. Oft wünsche ich mir weniger Chaos und mehr Planbarkeit. Aber oft ist das Leben genau mit diesen Dingen ziemlich schön!

Eure Sarah

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1 Comment

  • Reply
    #regrettingmotherhood - Lesesammlung - Vereinbarkeitsblog
    12/11/2015 at 16:05

    […] von Schwesternliebeundwir legt den Finger nochmal explizit auf den Druck, den Mütter erfahren. Und darauf, dass zwischen ambivalenten Gefühlen und echter Reue die Frage steht, welches […]

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